Was bedeutet es, einen Bauzeitenplan fortzuschreiben?
Einen Bauzeitenplan fortzuschreiben bedeutet, ihn an die tatsächliche Entwicklung auf der Baustelle anzupassen. Ausgangspunkt ist nicht mehr nur die ursprüngliche Planung, sondern die Kombination aus bereits ausgeführten Arbeiten, laufenden Vorgängen und den neu zu erwartenden Terminen für die noch offenen Leistungen.
Dabei sollten drei Ebenen voneinander unterscheidbar bleiben: der ursprünglich geplante Ablauf, der tatsächliche Baustand und der aktuelle Plan für die verbleibenden Arbeiten. Wird der alte Plan einfach mit neuen Daten überschrieben, geht diese Nachvollziehbarkeit verloren.
In der Praxis entscheidend ist deshalb zuerst die Frage, wo der Bau tatsächlich steht. Mit einem Vergleich von Soll und Ist lassen sich Terminabweichungen erkennen. Die Fortschreibung geht einen Schritt weiter: Sie legt fest, wie der realistische weitere Terminplan auf Grundlage dieses Baustands aussieht.
Wann sollte der Bauzeitenplan aktualisiert werden?
Ein Bauzeitenplan sollte nicht erst dann angepasst werden, wenn der geplante Fertigstellungstermin offensichtlich nicht mehr erreichbar ist. Sinnvoll ist eine regelmäßige Prüfung, beispielsweise im Zusammenhang mit Baubesprechungen oder anderen festen Terminabstimmungen. Je dichter mehrere Gewerke aufeinander folgen, desto wichtiger ist eine aktuelle Terminlage.
Eine vollständige Fortschreibung ist jedoch nicht bei jeder kleinen Abweichung notwendig. Relevant wird sie vor allem dann, wenn eine Änderung Auswirkungen auf zukünftige Vorgänge haben kann. Typische Anlässe sind längere Ausführungszeiten, verspätete Lieferungen, geänderte Planungsgrundlagen, Unterbrechungen oder ein verschobener Beginn eines Gewerks.
Auch eine frühere Fertigstellung kann eine Anpassung erforderlich machen. Ein nachfolgendes Gewerk lässt sich jedoch nicht automatisch vorziehen. Vor einer Änderung muss geprüft werden, ob die notwendigen Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sind und ob Personal, Material oder weitere Vorleistungen entsprechend verfügbar sind.
| Anlass | Im Terminplan prüfen | Mögliche Anpassung |
|---|---|---|
| Arbeit dauert länger | Restdauer und Folgetermine | späteres Ende und betroffene Starts |
| Lieferung verspätet | davon abhängige Arbeiten | neuer Beginn |
| Planung wird geändert | Reihenfolge und betroffene Vorgänge | Ablauf und Termine anpassen |
| Arbeit endet früher | Voraussetzungen für Folgearbeiten | früherer Start eventuell möglich |
| Arbeit wird unterbrochen | Restdauer und abhängige Vorgänge | neuen Wiederbeginn einplanen |
Die Tabelle zeigt Prüfpunkte, keine automatischen Folgen. Ob sich ein Termin tatsächlich verschiebt, hängt vom konkreten Bauablauf und den vorhandenen Abhängigkeiten ab.
Bauzeitenplan Schritt für Schritt fortschreiben
Einen eindeutigen Stichtag festlegen
Jede Fortschreibung braucht einen klaren Bezugszeitpunkt. Für diesen Stichtag sollte erkennbar sein, welche Arbeiten abgeschlossen sind, welche noch laufen und welche noch nicht begonnen haben.
Ohne einen solchen Stichtag können tatsächliche Daten und neue Prognosen leicht vermischt werden. Besonders bei häufigen Änderungen wird dadurch später unklar, auf welchem Baustand eine bestimmte Terminplanung beruhte.
Den tatsächlichen Baustand eintragen
Abgeschlossene Vorgänge sollten mit ihrem tatsächlichen Verlauf erfasst werden. Bei laufenden Arbeiten ist zusätzlich entscheidend, welche Restdauer realistisch noch benötigt wird. Ein Vorgang, der ursprünglich zehn Tage dauern sollte und nach acht Tagen erst zur Hälfte erledigt ist, lässt sich nicht sinnvoll fortschreiben, indem lediglich sein altes Enddatum stehen bleibt.
Der dokumentierte Ist-Zustand sollte dabei nicht nachträglich so verändert werden, dass er wieder zur ursprünglichen Planung passt. Gerade die Abweichung ist die Information, die für die weitere Terminsteuerung benötigt wird.
Nur betroffene zukünftige Vorgänge neu terminieren
Eine Verzögerung von fünf Tagen bedeutet nicht automatisch, dass der gesamte Bauzeitenplan um fünf Tage nach hinten verschoben werden muss. Zuerst ist zu prüfen, welche späteren Arbeiten tatsächlich betroffen sind.
Einige Vorgänge können unabhängig weiterlaufen, andere hängen unmittelbar von einer Vorleistung ab. Deshalb müssen die Abhängigkeiten zwischen den Gewerken berücksichtigt werden, bevor neue Termine eingetragen werden.
Auch die Dauer zukünftiger Arbeiten sollte nicht ungeprüft aus der ursprünglichen Planung übernommen werden. Neue Randbedingungen können dazu führen, dass eine Restleistung mehr oder weniger Zeit benötigt als bisher angenommen.
Folgetermine auf Auswirkungen prüfen
Nach der Anpassung eines Vorgangs ist zu prüfen, welche weiteren Termine dadurch beeinflusst werden. Das betrifft nicht nur den unmittelbar nächsten Handwerker. Auch Materiallieferungen, Prüfungen, Zwischenabnahmen oder weitere Arbeiten können von einem veränderten Termin abhängen.
Gerade an dieser Schnittstelle entstehen sonst leicht Kettenreaktionen. Welche Folgen für nachfolgende Gewerke eine Verzögerung tatsächlich hat, sollte daher separat betrachtet werden, statt sämtliche späteren Termine pauschal zu verschieben.
Einen neuen Planstand speichern und verteilen
Nach der Fortschreibung sollte die neue Version eindeutig gekennzeichnet werden. Dafür reicht in vielen Projekten bereits eine klare Kombination aus Standdatum und Versionsbezeichnung.
Beispielsweise können die Dateien nach einem einheitlichen Schema benannt werden:
- Bauzeitenplan_Stand_15-05
- Bauzeitenplan_Stand_29-05
- Bauzeitenplan_Stand_12-06
Wichtig ist, dass alle Beteiligten erkennen können, welche Fassung aktuell ist. Wird der Terminplan während der Bauphase angepasst, sollte die neue Version deshalb auch denjenigen zur Verfügung stehen, die ihre Arbeiten nach diesen Terminen koordinieren müssen.
Welche Angaben sollte eine Fortschreibung nachvollziehbar machen?
Ein aktueller Bauzeitenplan sollte nicht nur neue Balken oder Datumsangaben enthalten. Auch später muss erkennbar bleiben, auf welchem Stand die Änderung beruhte.
Hilfreich sind insbesondere ein eindeutiges Standdatum, der vorherige und der neue Planstand sowie die Kennzeichnung der geänderten Vorgänge. Bei größeren Abweichungen sollte zudem nachvollziehbar sein, warum ein Termin geändert wurde und welche Restdauer für laufende Arbeiten angenommen wurde.
Eine bestimmte Darstellungsform ist dafür nicht in jedem Projekt erforderlich. Entscheidend ist die Nachvollziehbarkeit. Wer den Terminplan einige Wochen später öffnet, sollte verstehen können, weshalb ein Vorgang heute anders terminiert ist als in einer älteren Fassung.
Alten Bauzeitenplan überschreiben oder Versionen behalten?
Ältere Planstände sollten nicht spurlos durch eine neue Datei ersetzt werden. Werden nur die aktuellen Daten gespeichert, lässt sich später kaum noch nachvollziehen, wann eine Terminverschiebung entstanden ist und wie sich der Bauablauf entwickelt hat.
Sinnvoller ist eine Versionierung. Der jeweils aktuelle Bauzeitenplan dient der laufenden Koordination, während vorherige Stände erhalten bleiben. Das muss kein kompliziertes Dokumentenmanagement sein. Eine konsequente Dateibenennung und eine eindeutige Ablage können bereits ausreichen.
Gleichzeitig sollte vermieden werden, dass mehrere unterschiedliche Fassungen parallel als aktuell gelten. Für die Baustellenorganisation ist eine klar erkennbare Arbeitsversion wichtiger als eine große Zahl unterschiedlich benannter Dateien.
Wer pflegt den Bauzeitenplan während der Bauphase?
Wer für die Fortschreibung verantwortlich ist, hängt von der Projektorganisation und den vertraglichen Vereinbarungen ab. Je nach Modell können beispielsweise Bauleitung, Objektüberwachung, Generalunternehmer oder andere Projektbeteiligte Aufgaben der Terminplanung übernehmen.
Für den Bauherrn ist deshalb weniger entscheidend, eine allgemeingültige Rollenverteilung anzunehmen. Wichtiger ist, früh zu klären, wer den aktuellen Planstand pflegt, wer Änderungen einarbeitet und wie die gültige Version verteilt wird.
Unabhängig von der Zuständigkeit sollte es für die laufende Koordination nur einen eindeutig erkennbaren aktuellen Planstand geben. Andernfalls besteht das Risiko, dass verschiedene Gewerke mit unterschiedlichen Terminen arbeiten.
Typische Fehler beim Fortschreiben des Bauzeitenplans
Ein häufiger Fehler besteht darin, lediglich den geplanten Fertigstellungstermin zu ändern. Dadurch bleibt unklar, an welcher Stelle im Bauablauf die Abweichung entstanden ist und welche Vorgänge tatsächlich neu terminiert werden müssen.
Ebenso problematisch ist es, alle späteren Arbeiten pauschal um dieselbe Zahl von Tagen zu verschieben. Die tatsächlichen Abhängigkeiten können wesentlich differenzierter sein. Manche Arbeiten lassen sich parallel durchführen, andere können erst nach vollständig abgeschlossenen Vorleistungen beginnen.
Auch laufende Vorgänge dürfen nicht nur anhand ihrer ursprünglichen Dauer bewertet werden. Für die Fortschreibung ist ihre realistische Restdauer maßgeblich. Andernfalls enthält der aktualisierte Bauzeitenplan zwar neue Daten, bildet den tatsächlichen Baufortschritt aber weiterhin nicht ab.
Ein weiterer Fehler ist die Fortschreibung ohne Versionsstand. Wenn alte Fassungen überschrieben werden oder mehrere Dateien gleichzeitig als aktuelle Version verwendet werden, verliert der Terminplan einen wesentlichen Teil seines Nutzens als Koordinationsinstrument.
Ein Bauzeitenplan erfüllt seinen Zweck während der Bauphase deshalb nur, wenn er die aktuelle Situation abbildet und zugleich zeigt, wie die verbleibenden Arbeiten realistisch weitergeführt werden sollen. Entscheidend ist nicht, dass der ursprüngliche Terminplan unverändert bleibt, sondern dass der jeweils gültige Planstand für die weitere Koordination belastbar und nachvollziehbar ist.
