Welche Mauersteine kommen für Außenwände infrage?
Für das Außenmauerwerk eines Einfamilienhauses werden hauptsächlich drei Materialgruppen eingesetzt. Mauerziegel, häufig als hochwärmedämmende Ziegel ausgeführt, verbinden die tragende Funktion mit vergleichsweise guten Wärmedämmeigenschaften. Porenbeton verfolgt ein ähnliches Prinzip, besitzt jedoch eine andere Materialstruktur und eine geringere Rohdichte. Kalksandstein ist deutlich dichter und schwerer. Seine Stärken liegen deshalb an anderen Stellen.
Daneben existieren beispielsweise Systeme aus Leichtbeton. Für die grundsätzliche Entscheidung im üblichen Massivhausbau reicht es jedoch zunächst, Ziegel, Porenbeton und Kalksandstein gegenüberzustellen. Ein breiterer Überblick über Mauersteinarten im Rohbau ist sinnvoll, wenn auch weniger verbreitete Lösungen geprüft werden sollen.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen dem Material und dem konkreten Produkt. Zwei Ziegel können sich bei Rohdichte, Festigkeit und Wärmedämmung deutlich unterscheiden. Dasselbe gilt für Porenbeton oder Kalksandstein. Eine Materialbezeichnung allein reicht daher nicht aus, um die Eignung einer Außenwand abschließend zu beurteilen.
Ziegel für die Außenwand
Moderne Mauerziegel für Außenwände sind häufig so aufgebaut, dass sie neben der Tragfunktion einen erheblichen Anteil des Wärmeschutzes übernehmen können. Je nach System entstehen dadurch monolithische Außenwände ohne zusätzliche flächige Dämmschicht auf der Außenseite.
Das macht Ziegel vor allem dann interessant, wenn ein vergleichsweise einfacher Wandquerschnitt gewünscht ist. Wie gut Wärme- und Schallschutz tatsächlich ausfallen, hängt jedoch stark vom konkreten Stein, seiner Rohdichte, dem Lochbild, einer möglichen Füllung und der Wanddicke ab.
Die pauschale Aussage, ein Ziegel sei entweder besonders leicht, besonders tragfähig oder besonders schalldämmend, wäre deshalb zu ungenau. Hochwärmedämmende Produkte setzen andere Schwerpunkte als dichtere Ziegel mit höherer Masse.
Porenbeton für die Außenwand
Porenbeton besitzt eine geringe Rohdichte und viele eingeschlossene Luftporen. Dadurch erreicht das Material gute Wärmedämmeigenschaften und eignet sich ebenfalls für monolithische Außenwandkonstruktionen, sofern das ausgewählte System dafür vorgesehen ist.
Das vergleichsweise geringe Gewicht erleichtert außerdem Transport und Bearbeitung auf der Baustelle. Diese Eigenschaft hat jedoch eine zweite Seite: Weniger Masse bedeutet andere Voraussetzungen beim Schallschutz als bei deutlich schwereren Wandbaustoffen.
Ob Ziegel oder Porenbeton für eine Außenwand geeigneter ist, lässt sich deshalb nicht nur über die Wärmedämmung entscheiden. Der geplante Wandaufbau, die statischen Anforderungen, der Schallschutz und die verfügbaren Systemlösungen müssen gemeinsam betrachtet werden.
Kalksandstein für die Außenwand
Kalksandstein besitzt eine hohe Rohdichte. Daraus ergeben sich gute Voraussetzungen für hohe Tragfähigkeit und Schallschutz. Gleichzeitig ist seine Wärmedämmwirkung im Vergleich zu hochwärmedämmenden Ziegeln oder Porenbeton geringer.
Bei Außenwänden wird deshalb meist eine funktionale Trennung gewählt: Das Kalksandsteinmauerwerk übernimmt vor allem die tragende und schalldämmende Funktion, während eine zusätzliche Dämmschicht für den erforderlichen Wärmeschutz sorgt.
Das ist kein grundsätzlicher Nachteil. Es handelt sich um ein anderes Wandkonzept. Die einzelnen Schichten werden gezielt für unterschiedliche Aufgaben ausgelegt. Neben Wärmedämmverbundsystemen kommen je nach Planung auch andere mehrschalige Konstruktionen infrage.
Ziegel, Porenbeton und Kalksandstein im Vergleich
Wer Mauersteine für Außenwände vergleichen möchte, sollte nicht nach einem Sieger in jeder Kategorie suchen. Die Materialien setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
| Kriterium | Ziegel | Porenbeton | Kalksandstein |
|---|---|---|---|
| Typisches Außenwandkonzept | häufig monolithisch möglich | monolithisch möglich | meist mit separater Dämmung |
| Wärmeschutz des Mauerwerks | gut bis sehr gut, produktabhängig | gut bis sehr gut, produktabhängig | vergleichsweise gering |
| Masse | je nach Produkt mittel | gering | hoch |
| Schallschutz | systemabhängig | durch geringe Masse begrenzter | sehr gute Voraussetzungen |
| Tragfähigkeit | produktabhängig | produktabhängig | hohe Tragfähigkeit möglich |
| Praktischer Schwerpunkt | monolithischer Wandaufbau | Wärmedämmung und geringes Gewicht | Funktionstrennung und hohe Masse |
Die Tabelle beschreibt nur die grundsätzlichen Tendenzen. Für die Planung zählen immer die Kennwerte des vorgesehenen Produkts und des vollständigen Wandaufbaus.
Wärmeschutz nicht nur am Stein beurteilen
Bei Ziegel und Porenbeton kann ein großer Teil des Wärmeschutzes durch eine entsprechend dicke und dafür entwickelte Mauerwerksschicht erreicht werden. Bei Kalksandstein übernimmt diese Aufgabe dagegen in der Regel eine separate Dämmung.
Damit sind die Systeme nicht direkt über einen einzelnen Materialkennwert vergleichbar. Bei einer monolithischen Wand beeinflusst der Mauerstein Tragfähigkeit und Wärmeschutz gleichzeitig. Bei einer gedämmten Kalksandsteinwand können tragende Schicht und Wärmedämmung weitgehend getrennt dimensioniert werden.
Für einen sinnvollen Vergleich ist deshalb der Wärmeschutz der kompletten Außenwand maßgeblich. Ein niedriger Wärmeleitwert des Steins allein sagt noch nicht, welches Gesamtsystem für ein bestimmtes Gebäude günstiger ist.
Schallschutz hängt stark von der Masse ab
Eine schwere Wand bietet grundsätzlich günstigere Voraussetzungen für den Luftschallschutz als eine sehr leichte Konstruktion. Deshalb ist Kalksandstein besonders interessant, wenn erhöhte Anforderungen an den Schallschutz bestehen, etwa an stark befahrenen Straßen.
Das bedeutet nicht, dass Ziegel- oder Porenbetonwände automatisch einen unzureichenden Schallschutz besitzen. Der tatsächliche Wert hängt von Produkt, Wanddicke, flankierenden Bauteilen und dem gesamten konstruktiven Aufbau ab.
Wer verschiedene Steine vergleicht, sollte außerdem Rohdichte und Druckfestigkeitsklasse auseinanderhalten. Die Rohdichte beeinflusst unter anderem Masse und akustische Eigenschaften, während die Druckfestigkeit eine andere Materialeigenschaft beschreibt.
Tragfähigkeit ist keine reine Materialfrage
Ziegel, Porenbeton und Kalksandstein werden jeweils in unterschiedlichen Festigkeiten angeboten. Deshalb lässt sich aus der Materialart allein nicht ableiten, welcher Stein für eine bestimmte tragende Außenwand erforderlich ist.
Maßgeblich sind unter anderem Gebäudegeometrie, Geschosszahl, Lasten, Wandabmessungen und die statische Planung. Die Auswahl eines konkreten Produkts gehört daher zur abgestimmten Gebäudeplanung und sollte nicht anhand pauschaler Empfehlungen wie “für ein Einfamilienhaus reicht dieser Stein” erfolgen.
Wanddicke nur als Gesamtaufbau vergleichen
Auch die Dicke des einzelnen Mauersteins kann täuschen. Eine monolithische Außenwand benötigt möglicherweise eine relativ dicke Mauerwerksschicht, weil diese sowohl trägt als auch wärmedämmt.
Bei Kalksandstein kann die tragende Schale dünner ausfallen, dafür kommt eine separate Wärmedämmung hinzu. Entscheidend für Grundriss, Fensteranschlüsse, Fassadendetails und nutzbare Fläche ist deshalb die Dicke des vollständigen Wandaufbaus.
Monolithische Außenwand oder getrennte Funktionen?
Hinter der Frage “Ziegel, Porenbeton oder Kalksandstein?” steckt häufig eine grundsätzlichere Entscheidung: Soll das Mauerwerk mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen oder sollen Tragfähigkeit und Wärmeschutz auf unterschiedliche Schichten verteilt werden?
Bei einer monolithischen Außenwand übernimmt ein dafür geeigneter Ziegel oder Porenbetonstein sowohl die tragende Funktion als auch einen wesentlichen Teil des Wärmeschutzes. Der Wandaufbau besteht dadurch aus weniger funktional getrennten Schichten. Anschlüsse, Wärmebrücken und weitere Details müssen trotzdem passend zum gewählten System geplant und ausgeführt werden.
Bei einer Konstruktion mit Kalksandstein und zusätzlicher Dämmung werden die Aufgaben stärker getrennt. Die massive Innenschale kann hinsichtlich Tragfähigkeit und Masse gewählt werden, während die Dämmschicht gezielt den Wärmeschutz übernimmt.
Welche Variante sinnvoller ist, hängt vom konkreten Aufbau ab. Ein zusätzlicher Baustoff oder eine zusätzliche Schicht ist nicht automatisch ein Nachteil. Umgekehrt ist eine monolithische Wand nicht automatisch einfacher oder günstiger, wenn ungünstige Detailpunkte, besondere Anforderungen oder hohe Materialkosten hinzukommen.
Welcher Mauerstein passt zu welchen Prioritäten?
Für eine monolithische Außenwand sind entsprechend zugelassene Ziegel- und Porenbetonsysteme die naheliegenden Kandidaten. Dann sollte nicht nur der Wärmeleitwert betrachtet werden, sondern auch, welche Wanddicke erforderlich wird und wie Anschlüsse an Fenster, Decken, Sockel und Dach geplant sind.
Wenn Schallschutz und hohe Masse eine besondere Rolle spielen, kann Kalksandstein Vorteile bieten. Der notwendige Wärmeschutz muss dann von Anfang an als Teil des zusätzlichen Dämmaufbaus berücksichtigt werden.
Wenn geringes Steingewicht und einfache Bearbeitbarkeit für den Bauablauf relevant sind, hat Porenbeton praktische Vorteile. Diese dürfen jedoch die konstruktiven und akustischen Anforderungen nicht überlagern.
Auch die Erfahrung des ausführenden Unternehmens mit einem bestimmten Mauersystem ist ein sinnvoller Faktor. Ein theoretisch passendes System verliert an Attraktivität, wenn Details auf der Baustelle ungewohnt sind oder benötigte Ergänzungsprodukte schlecht verfügbar sind. Die Materialwahl sollte deshalb mit Planung und Ausführung abgestimmt werden, bevor der Rohbau beginnt.
Beim Preis gilt derselbe Grundsatz: Der reine Preis pro Stein oder Quadratmeter Mauerwerk ist nur ein Teil der Rechnung. Verglichen werden sollten der vollständige Wandaufbau, notwendige Dämmmaßnahmen, Arbeitsaufwand, Anschlussdetails und spätere Fassadenarbeiten. Nur so bleiben auch die Folgekosten im Blick.
Der für die Außenwand gewählte Baustoff muss zudem nicht automatisch die beste Lösung für alle Wände des Hauses sein. Tragende oder nichttragende Innenwände stellen teilweise andere Anforderungen an Masse, Platzbedarf und Installationsführung. Deshalb sollte die Entscheidung über Mauersteine für Innenwände separat getroffen werden.
