Tragende oder nichttragende Innenwand zuerst unterscheiden
Bevor sich Mauersteine für Innenwände vergleichen lassen, muss die Funktion der Wand feststehen. Bei einer tragenden Innenwand werden Lasten aus darüberliegenden Bauteilen aufgenommen und weitergeleitet. Steinart, Wanddicke und Festigkeit können deshalb nicht allein nach persönlichen Vorlieben gewählt werden. Maßgebend ist die Tragwerksplanung.
Nichttragende Innenwände übernehmen dagegen keine planmäßigen Lasten aus der Gebäudekonstruktion. Dadurch besteht bei der Materialwahl meist mehr Spielraum. Trotzdem sind Eigengewicht, Wandhöhe, Anschlüsse, Befestigungen und gewünschter Schallschutz zu berücksichtigen. Die grundlegenden Unterschiede zwischen tragenden und nichttragenden Innenwänden bestimmen daher wesentlich, welche Eigenschaften des Mauersteins in der Praxis entscheidend sind.
Kalksandstein, Porenbeton und Ziegel im Vergleich
Die drei verbreiteten Baustoffgruppen können sowohl bei Innenwänden als auch in anderen Bereichen des Rohbaus eingesetzt werden. Ihre Eigenschaften setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.
Kalksandstein: hohe Masse und günstige Voraussetzungen für Schallschutz
Kalksandstein besitzt eine vergleichsweise hohe Rohdichte. Daraus ergibt sich eine hohe Masse der fertigen Wand, die bei massiven Innenwänden für den Schallschutz vorteilhaft sein kann. Auch hohe Druckfestigkeiten sind bei entsprechenden Kalksandsteinprodukten verfügbar, weshalb der Baustoff häufig für tragende Innenwände eingesetzt wird.
Die hohe Masse hat jedoch eine zweite Seite. Kalksandsteinwände sind schwerer als vergleichbare Konstruktionen aus leichten Mauersteinen. Das muss insbesondere bei der Tragwerksplanung und bei der Logistik auf der Baustelle berücksichtigt werden.
Beim Schallschutz sollte nicht nur die Steinart betrachtet werden. Entscheidend sind unter anderem Wanddicke, Rohdichte, Oberflächenaufbau, Anschlüsse und flankierende Bauteile. Kalksandstein schafft durch seine Masse häufig gute Voraussetzungen, garantiert aber allein noch keinen bestimmten Schallschutzwert des gesamten Gebäudes.
Porenbeton: geringes Gewicht und einfache Bearbeitung
Porenbeton hat eine wesentlich geringere Rohdichte. Die Steine sind dadurch relativ leicht und lassen sich auf der Baustelle gut bearbeiten und zuschneiden. Das kann die Ausführung von nichttragenden Innenwänden vereinfachen und reduziert das Eigengewicht der Wand.
Auch tragende Innenwände können je nach Produkt und statischer Bemessung aus Porenbeton hergestellt werden. Die pauschale Aussage, Porenbeton sei nur für leichte Trennwände geeignet, wäre deshalb falsch.
Bei hohen Anforderungen an den Schallschutz muss das geringere Flächengewicht jedoch berücksichtigt werden. Entscheidend ist der konkrete Wandaufbau und nicht nur die Bezeichnung des Materials. Wer zwischen Kalksandstein oder Porenbeton für eine Innenwand entscheidet, sollte deshalb zuerst klären, ob geringes Gewicht oder eine hohe Wandmasse für den betreffenden Raum wichtiger ist.
Ziegel: sinnvoll bei einem durchgängigen Ziegelsystem
Auch Hochlochziegel und andere dafür vorgesehene Ziegelprodukte können für tragende oder nichttragende Innenwände verwendet werden. Besonders naheliegend ist diese Lösung, wenn der Rohbau ohnehin als Ziegelmauerwerk geplant wurde und Innen- und Außenwände innerhalb eines abgestimmten Systems ausgeführt werden sollen.
Die Eigenschaften von Ziegeln lassen sich allerdings weniger sinnvoll pauschalisieren. Rohdichte, Festigkeit und Lochbild unterscheiden sich je nach Produkt deutlich. Deshalb sollte nicht einfach von “dem Ziegel” ausgegangen werden.
Ein Vorteil eines einheitlichen Systems kann darin liegen, dass Planung, Anschlüsse und Verarbeitung besser aufeinander abgestimmt werden können. Ob das im konkreten Gebäude wichtiger ist als beispielsweise die höhere Masse eines Kalksandsteins oder das geringere Gewicht von Porenbeton, hängt vom geplanten Wandaufbau ab.
| Kriterium | Kalksandstein | Porenbeton | Ziegel |
|---|---|---|---|
| Tragende Innenwand | je nach Produkt und Statik geeignet | je nach Produkt und Statik geeignet | je nach Produkt und Statik geeignet |
| Nichttragende Innenwand | geeignet | geeignet | geeignet |
| Wandmasse | vergleichsweise hoch | vergleichsweise gering | stark produktabhängig |
| Schallschutz | günstige Voraussetzungen durch hohe Masse | stärker vom gesamten Aufbau abhängig | produktabhängig |
| Bearbeitung | vergleichsweise aufwendiger | einfach | produktabhängig |
| Typischer Schwerpunkt | Masse, Tragfähigkeit, Schallschutz | geringes Gewicht, Bearbeitung | abgestimmtes Ziegelsystem |
Welche Eigenschaften bei der Steinwahl wirklich zählen
Die Bezeichnung Kalksandstein, Porenbeton oder Ziegel reicht für eine technische Auswahl nicht aus. Innerhalb jeder Baustoffgruppe gibt es Produkte mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Tragfähigkeit
Bei tragenden Innenwänden muss der Mauerstein die in der Planung angesetzten Lasten sicher aufnehmen können. Relevant sind dabei unter anderem Steinart, Festigkeit, Wanddicke und geometrische Randbedingungen.
Angaben wie Rohdichte und Druckfestigkeitsklasse helfen dabei, konkrete Mauersteine einzuordnen. Sie ersetzen bei tragenden Wänden jedoch keine statische Bemessung. Änderungen gegenüber dem geplanten Mauerstein sollten deshalb mit der Tragwerksplanung abgestimmt werden.
Schallschutz
Innenwände trennen Räume innerhalb desselben Gebäudes. Gerade zwischen Schlafräumen, Wohnbereichen, Bädern oder Technikräumen kann der Schallschutz deshalb ein wichtiges Auswahlkriterium sein.
Bei massiven einschaligen Wänden ist eine höhere flächenbezogene Masse grundsätzlich eine günstige Voraussetzung für den Luftschallschutz. Deshalb wird Kalksandstein häufig gewählt, wenn dieser Aspekt besonders wichtig ist.
Das tatsächliche Ergebnis hängt jedoch auch von angrenzenden Decken und Wänden, Anschlüssen, Installationen und dem Oberflächenaufbau ab. Ein einzelner Mauerstein kann daher nicht losgelöst vom restlichen Gebäude beurteilt werden.
Eigengewicht
Ein leichtes Mauerwerk belastet die darunterliegende Konstruktion weniger und ist auf der Baustelle einfacher zu handhaben. Das spricht in bestimmten Situationen für Porenbeton.
Eine hohe Masse kann dagegen beim Schallschutz hilfreich sein. Genau darin liegt ein typischer Zielkonflikt: Die Eigenschaft, die bei einem Kriterium vorteilhaft ist, kann bei einem anderen zusätzliche Anforderungen verursachen.
Bei Geschossdecken oder besonderen Grundrissen sollte deshalb nicht nachträglich ein deutlich schwererer Wandbaustoff gewählt werden, ohne die Folgen für die Konstruktion zu prüfen.
Bearbeitung und spätere Installationen
Auch die Verarbeitung spielt eine Rolle. Porenbeton lässt sich vergleichsweise leicht sägen und bearbeiten. Bei dichteren, schwereren Mauersteinen ist dafür mehr Aufwand erforderlich.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Steinwahl hauptsächlich danach getroffen werden sollte, wie einfach sich Schlitze oder Öffnungen herstellen lassen. Vor allem bei tragenden Wänden müssen Installationsführung und zulässige Eingriffe mit der Planung abgestimmt sein. In dieser Bauphase ist es sinnvoller, die späteren Leitungswege frühzeitig zu koordinieren, als die Materialentscheidung nachträglich an ungeplante Installationen anzupassen.
Muss innen derselbe Mauerstein wie außen verwendet werden?
Innen- und Außenwände müssen nicht automatisch aus derselben Steinart bestehen. Die Anforderungen unterscheiden sich deutlich.
Bei Außenwänden spielen unter anderem Wärmeschutz, Feuchteschutz und die gesamte Fassadenkonstruktion eine zentrale Rolle. Bei Innenwänden stehen dagegen häufig Tragfähigkeit, Schallschutz, Masse und Grundrissgestaltung im Vordergrund. Deshalb kann die optimale Wahl der Mauersteine für Außenwände von der Lösung für das Innenmauerwerk abweichen.
Trotzdem kann ein einheitliches Mauersystem Vorteile haben. Anschlüsse, Verarbeitung und Baustellenlogistik lassen sich dadurch unter Umständen einfacher koordinieren. Werden unterschiedliche Baustoffe kombiniert, müssen ihre verschiedenen Eigenschaften und die jeweiligen Anschlüsse bereits in der Planung berücksichtigt werden.
Welcher Mauerstein passt zu welcher Innenwand?
Für eine nichttragende Innenwand mit möglichst geringem Eigengewicht kann Porenbeton eine naheliegende Lösung sein. Steht dagegen ein hoher Schallschutz im Vordergrund, ist Kalksandstein wegen seiner hohen Masse häufig besonders interessant. Wird das gesamte Gebäude als Ziegelmauerwerk geplant, kann ein passender Innenwandziegel eine technisch und organisatorisch stimmige Lösung darstellen.
Bei tragenden Innenwänden funktioniert diese vereinfachte Auswahl nur eingeschränkt. Hier müssen das statische System und die vorgesehenen Produkte zusammenpassen. Auch bei nichttragenden Wänden können besondere Anforderungen an Schallschutz, Brandschutz, Wandhöhe oder Befestigungen eine andere Lösung erforderlich machen.
Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, welcher Mauerstein allgemein der beste ist. Sinnvoll ist der Stein, dessen konkrete Eigenschaften zu Funktion und Aufbau der jeweiligen Innenwand passen und der mit der übrigen Planung des Rohbaus abgestimmt ist.
