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Was sind Lagerfuge und Stoßfuge? Unterschiede im Mauerwerk erklärt

Die Lagerfuge ist die waagerechte Fuge zwischen zwei übereinanderliegenden Steinlagen, während die Stoßfuge senkrecht zwischen zwei Mauersteinen derselben Steinlage verläuft. Lagerfugen werden in der Regel mit Mörtel ausgeführt. Stoßfugen können je nach Mauerstein und…

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Buildjournal-Redaktion
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Bei einem gemauerten Bauteil entstehen Fugen immer dort, wo einzelne Mauersteine aneinandergrenzen. Entscheidend ist ihre Lage. Die Lagerfuge liegt horizontal, die Stoßfuge vertikal. Damit lassen sich beide Begriffe bereits anhand einer normalen Mauerfläche unterscheiden.

Die Lagerfuge befindet sich zwischen zwei Steinreihen. Auf ihr liegt also die nächste Lage der Mauersteine auf. Die Stoßfuge entsteht dagegen zwischen zwei Steinen, die innerhalb derselben Reihe nebeneinanderstehen.

Merkmal Lagerfuge Stoßfuge
Verlauf horizontal vertikal
Lage zwischen zwei Steinlagen zwischen zwei Steinen derselben Lage
Mörtel in der Regel vorhanden je nach Mauersystem mit oder ohne Mörtel
Typische Besonderheit kann als Normal- oder Dünnbettfuge ausgeführt werden Knirschverlegung bei geeigneten Steinen möglich

Lagerfuge als horizontale Verbindung der Steinlagen

Die Lagerfuge bildet die Auflagefläche für die darüberliegende Steinreihe. Der verwendete Mauermörtel sorgt dabei für einen möglichst gleichmäßigen Kontakt zwischen den Mauersteinen und verbindet die einzelnen Lagen miteinander.

Wie deutlich eine Lagerfuge sichtbar ist, hängt stark vom verwendeten Mauersystem ab. Bei klassischem Mauerwerk mit Normalmauermörtel ist sie wesentlich dicker als bei maßgenauen Plansteinen, die mit Dünnbettmörtel verarbeitet werden. Welche Ausführung vorgesehen ist, ergibt sich deshalb nicht allein aus dem Steinmaterial, sondern aus dem gesamten System. Der grundlegende Unterschied zwischen Dünnbettmörtel und Normalmörtel wirkt sich unmittelbar auf die Ausbildung der Lagerfuge aus.

Stoßfuge als vertikale Fuge zwischen den Mauersteinen

Die Stoßfuge befindet sich an den Stirnseiten benachbarter Mauersteine. Bei klassischem Mauerwerk kann dieser Zwischenraum mit Mörtel gefüllt werden. Moderne Mauersteine besitzen jedoch häufig speziell ausgebildete Stirnseiten, beispielsweise mit Nut und Feder. Dann kann das vorgesehene Mauersystem eine Verarbeitung ohne vollständige Stoßfugenvermörtelung erlauben.

Der Unterschied zwischen Lagerfuge und Stoßfuge liegt damit nicht nur in ihrer Richtung. Auch ihre Ausführung kann unterschiedlich sein: Während die Lagerfuge normalerweise eine Mörtelschicht zwischen den Steinlagen bildet, muss eine Stoßfuge nicht bei jedem Mauersystem vollständig mit Mörtel ausgefüllt sein.

Warum bleiben Stoßfugen bei manchen Mauersteinen unvermörtelt?

Bei maßgenau hergestellten Mauersteinen können die Stirnseiten so geformt sein, dass benachbarte Steine dicht aneinandergesetzt werden. Häufig kommen dafür Nut-und-Feder-Systeme zum Einsatz. Die Form der Steine unterstützt dabei die vorgesehene Verbindung innerhalb einer Steinlage.

Eine solche Ausführung ist besonders bei modernen Plansteinen im Mauerwerk anzutreffen. Die fehlende Mörtelfüllung in der vertikalen Fuge ist in diesem Fall kein zufälliger Hohlraum, sondern Bestandteil des vorgesehenen Systems.

Wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen einer planmäßig unvermörtelten Stoßfuge und einer unbeabsichtigt großen Lücke zwischen zwei Steinen. Ob eine konkrete Fuge korrekt ausgeführt wurde, lässt sich nicht allein anhand der Aussage “ohne Mörtel” beurteilen. Maßgeblich sind unter anderem Steinart, Fugenausbildung, Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers und die Planung des Mauerwerks.

Was bedeutet Knirschverlegung bei Mauerwerk?

Von Knirschverlegung spricht man, wenn dafür geeignete Mauersteine möglichst dicht mit ihren Stirnseiten aneinandergesetzt werden und die Stoßfuge nicht vollständig mit Mauermörtel gefüllt wird.

“Knirsch” bedeutet dabei nicht, dass die Steine mit großer Kraft gegeneinandergepresst werden sollen. Gemeint ist vielmehr eine systemgerechte, enge Anordnung der Steine ohne unnötig breite vertikale Zwischenräume.

Eine planmäßige Knirschverlegung darf daher nicht mit einer beliebig offenen Stoßfuge gleichgesetzt werden. Größere Lücken oder besondere Anschlussbereiche können eine andere Behandlung erfordern. Welche Lösung zulässig ist, richtet sich nach dem jeweiligen Mauersystem und den Vorgaben für dessen Verarbeitung.

Wann werden Stoßfugen vermörtelt?

Stoßfugen werden vermörtelt, wenn das verwendete Mauersystem dies vorsieht. Das kann beispielsweise bei Mauersteinen ohne geeignete Nut-und-Feder-Ausbildung oder bei bestimmten Anschluss- und Ergänzungsbereichen erforderlich sein.

Umgekehrt bedeutet das nicht, dass jede nicht vermörtelte Stoßfuge mangelhaft ist. Bei dafür vorgesehenen Steinen gehört die trockene beziehungsweise knirsch ausgeführte Stoßfuge zur regulären Verarbeitung.

Für die Beurteilung sind deshalb mehrere Punkte entscheidend:

  • Welcher Mauerstein wurde verwendet?
  • Besitzt der Stein eine dafür vorgesehene Stirnseitenausbildung?
  • Welche Verarbeitung gibt der Hersteller für das konkrete System vor?
  • Handelt es sich tatsächlich um eine eng ausgeführte Stoßfuge oder um eine größere unbeabsichtigte Lücke?

Gerade auf einer Baustelle ist die sichtbare Menge an Mörtel daher nur ein begrenztes Bewertungskriterium. Eine technisch richtige Ausführung muss zum verwendeten Mauerwerkssystem passen.

Welche Funktion hat die Lagerfuge im Mauerwerk?

Die Lagerfuge hat eine andere Aufgabe als die Stoßfuge. Sie stellt den Kontakt zwischen den übereinanderliegenden Steinlagen her und trägt dazu bei, dass Belastungen möglichst gleichmäßig über die Auflageflächen weitergegeben werden.

Bei Mauerwerk mit Normalmauermörtel kann die Lagerfuge zusätzlich gewisse Maßabweichungen der Steine ausgleichen. Bei maßgenauen Plansteinen sind die Fugen dagegen wesentlich dünner. Voraussetzung dafür ist eine entsprechend ebene und präzise vorbereitete Steinlage.

Besonders wichtig ist deshalb die erste korrekt ausgerichtete Lage des Mauerwerks. Wie diese Ausgangsebene hergestellt wird und welche Aufgabe dabei die Kimmschicht unter der ersten Steinreihe übernimmt, ist ein eigener Arbeitsschritt und sollte nicht mit der normalen Lagerfuge der folgenden Steinlagen verwechselt werden.

Warum stehen Stoßfugen verschiedener Steinlagen nicht direkt übereinander?

Bei fachgerecht geplantem Mauerwerk werden die Steine der aufeinanderfolgenden Reihen versetzt angeordnet. Dadurch liegen die Stoßfugen normalerweise nicht als durchgehende senkrechte Linie übereinander.

Dieses Prinzip gehört zum Mauerwerksverband. Das notwendige Versetzen der Steine und das sogenannte Überbindemaß haben eigene konstruktive Regeln. Für das Verständnis von Lager- und Stoßfugen reicht an dieser Stelle die Unterscheidung: Die Stoßfuge endet an der nächsten Lagerfuge und wird in der darüberliegenden Steinlage an einer versetzten Position fortgeführt.

Sind unvermörtelte Stoßfugen ein Baumangel?

Eine unvermörtelte Stoßfuge ist nicht automatisch ein Baumangel. Bei dafür vorgesehenen Mauersteinen und einer systemgerechten Knirschverlegung kann sie genau der geplanten Ausführung entsprechen.

Problematisch kann dagegen eine Stoßfuge sein, die deutlich größer ausgeführt wurde als vorgesehen, obwohl keine dafür geeignete Ausbildung oder fachgerechte Schließung vorhanden ist. Auch geschnittene Steine, Ecken, Anschlüsse und andere besondere Bereiche können von der normalen Fugenausbildung innerhalb einer geraden Wandfläche abweichen.

Für eine konkrete Bewertung reicht daher der Blick auf eine einzelne offene Fuge nicht aus. Entscheidend sind das verwendete Stein- und Mörtelsystem, die Planung sowie die zugehörigen Verarbeitungsvorgaben. Bei Zweifeln an einer ausgeführten Wand sollte die tatsächliche Konstruktion anhand dieser Unterlagen geprüft werden, statt allein aus dem sichtbaren Fugenbild auf einen Mangel zu schließen.

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Diskussion der Leserschaft

1 Kommentar

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  1. Die Unterscheidung über waagerecht und senkrecht ist angenehm einfach zu merken. Interessant finde ich vor allem den Hinweis, dass eine nicht vermörtelte Stoßfuge je nach System völlig normal sein kann.

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