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Warum ist Mischmauerwerk im Neubau problematisch?

Mischmauerwerk kann im Neubau problematisch sein, weil unterschiedliche Mauersteine nicht identisch auf Belastungen, Feuchtigkeit und Temperaturänderungen reagieren. Treffen verschiedene Baustoffe innerhalb einer Wand oder einer zusammenhängenden Wandfläche aufeinander, können an den Übergängen Spannungen entstehen.…

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Buildjournal-Redaktion
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Was ist Mischmauerwerk im Neubau?

Von Mischmauerwerk spricht man vereinfacht, wenn unterschiedliche Mauersteine innerhalb eines zusammenhängenden Mauerwerks miteinander kombiniert werden. Dabei können beispielsweise Ziegel, Kalksandstein oder Porenbeton unmittelbar aneinandergrenzen oder abschnittsweise dieselbe Wand bilden.

Problematisch ist also nicht automatisch jeder Neubau, in dem mehrere Steinarten vorkommen. Außenwände können aus einem anderen Baustoff bestehen als Innenwände, ohne dass daraus zwangsläufig ein kritisches Mischmauerwerk entsteht. Unterschiedliche Bauteile haben unterschiedliche Anforderungen und können deshalb bewusst aus verschiedenen Materialien geplant werden.

Warum diese Unterscheidung wichtig ist, wird deutlich, wenn man die verschiedenen Mauersteinarten betrachtet: Sie unterscheiden sich unter anderem bei Rohdichte, Festigkeit, Wärmeverhalten und Feuchteaufnahme. Solche Eigenschaften beeinflussen, wie sich ein Wandabschnitt während der Bauphase und später im Gebäude verhält.

Kritischer wird es, wenn verschiedene Mauersteine im selben Mauerwerk ohne klar geplanten Materialübergang eingesetzt werden. Dann treffen unterschiedliche Materialeigenschaften unmittelbar aufeinander.

Warum kann Mischmauerwerk zu Rissen führen?

Risse sind einer der wichtigsten Gründe, weshalb Mischmauerwerk im Neubau besondere Aufmerksamkeit erfordert. Sie entstehen nicht zwangsläufig, nur weil zwei unterschiedliche Mauersteine zusammentreffen. Der Materialwechsel kann jedoch eine zusätzliche Schwachstelle darstellen, wenn die unterschiedlichen Verformungen nicht berücksichtigt werden.

Unterschiedliche Baustoffe verformen sich nicht gleich

Mauersteine verändern ihre Abmessungen während und nach der Bauphase in geringem Umfang. Ursachen können unter anderem Feuchtigkeit, Trocknung, Temperaturänderungen und Belastungen sein. Art und Größe dieser Verformungen hängen vom Baustoff ab.

Treffen zwei unterschiedliche Materialien unmittelbar aufeinander, kann sich deshalb ein Wandbereich etwas anders verhalten als der benachbarte Bereich. Die daraus entstehenden Spannungen konzentrieren sich häufig am Materialübergang.

Besonders sichtbar werden solche Unterschiede später an Oberflächen. Eine Bewegung, die im Rohbau kaum auffällt, kann sich als feiner Riss im Putz zeigen. Deshalb ist nicht nur die Festigkeit der einzelnen Steine wichtig, sondern auch die Frage, wie die angrenzenden Baustoffe zusammenwirken.

Unterschiedliche Saugfähigkeit beeinflusst den Putzgrund

Mauersteine nehmen Wasser unterschiedlich schnell und in unterschiedlicher Menge auf. Für die Rohbauwand ist dieser Unterschied zunächst nicht unbedingt sichtbar. Beim späteren Verputzen kann er jedoch relevant werden.

Eine Wand aus einem einheitlichen Material bietet in der Regel einen gleichmäßigeren Untergrund. Bei Mischmauerwerk kann dagegen ein Bereich dem frischen Putz schneller Wasser entziehen als der angrenzende Bereich. Der Putzgrund verhält sich damit nicht mehr über die gesamte Fläche gleich.

Materialübergänge müssen deshalb bei der Planung und Ausführung des Putzsystems berücksichtigt werden. Welche Vorbehandlung oder welcher konkrete Putzaufbau erforderlich ist, hängt vom jeweiligen Wandaufbau und vom verwendeten System ab. Eine pauschale Lösung für jedes Mischmauerwerk gibt es nicht.

Festigkeit und Steifigkeit können voneinander abweichen

Unterschiedliche Mauersteine besitzen außerdem unterschiedliche mechanische Eigenschaften. Ein Material kann sich unter einer Belastung anders verformen als ein anderes. Bei tragenden Wänden spielt deshalb nicht nur die Frage eine Rolle, ob ein Ersatzstein geometrisch in eine vorhandene Lücke passt.

Ein anderer Mauerstein ist nicht automatisch ein gleichwertiger Ersatz. Eine spontane Materialänderung auf der Baustelle kann Auswirkungen auf das geplante Tragverhalten und auf weitere Anforderungen der Wand haben.

Gerade bei tragendem Mauerwerk sollte deshalb nicht allein aufgrund von Verfügbarkeit entschieden werden, eine vorgesehene Steinart durch eine andere zu ersetzen.

Sind Ziegel und Kalksandstein zusammen immer problematisch?

Ziegel und Kalksandstein zu kombinieren ist nicht grundsätzlich falsch. Entscheidend ist, wo und mit welcher Funktion die beiden Materialien eingesetzt werden.

Werden beispielsweise Außenwände und Innenwände bewusst aus unterschiedlichen Baustoffen geplant, handelt es sich um eine andere Situation als bei einem ungeplanten Wechsel der Steinart mitten innerhalb einer Wandfläche. Für Mauersteine für Außenwände gelten teilweise andere Auswahlkriterien als für Mauersteine für Innenwände. Deshalb kann der Einsatz mehrerer Baustoffe innerhalb eines Gebäudes technisch sinnvoll sein.

An den Stellen, an denen unterschiedliche Wände zusammentreffen, müssen ihre Anschlüsse jedoch zum geplanten Aufbau passen. Dabei können unter anderem Tragwirkung, Wärme- und Schallschutz sowie der spätere Putzaufbau eine Rolle spielen.

Problematisch wird die Kombination vor allem dann, wenn die Materialien ohne vorgesehenes Detail miteinander vermischt werden, etwa weil während der Ausführung Steine fehlen und kurzfristig durch eine andere Sorte ersetzt werden sollen.

Wann wird ein Materialwechsel im Mauerwerk besonders kritisch?

Nicht jeder Wechsel zwischen zwei Baustoffen hat dieselbe Bedeutung. Entscheidend sind Lage, Funktion und Ausführung des betreffenden Bauteils.

Typische Situationen, bei denen ein Materialwechsel genauer geprüft werden sollte, sind:

  • eine andere Steinart innerhalb eines längeren Abschnitts derselben Wand
  • einzelne Ersatzsteine aus einem anderen Material
  • ein Materialübergang innerhalb einer später durchgehend verputzten Fläche
  • Wechsel des Mauerwerks im Bereich von Fenster- oder Türöffnungen
  • ungeplante Änderungen bei tragenden Wandabschnitten
  • Abweichungen von der vorgesehenen Ausführung in Plan oder Leistungsbeschreibung

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn der Wechsel erst während der Bauausführung entsteht und in den Planungsunterlagen nicht vorgesehen ist. Dann sollte geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine unkritische Anpassung oder um eine relevante Änderung des Wandaufbaus handelt.

Eine typische Abgrenzung lässt sich so darstellen:

Situation Grundsätzlich problematisch? Entscheidend ist
Verschiedene Steine innerhalb derselben Wandfläche eher kritisch Materialverhalten und Ausbildung des Übergangs
Andere Steinart für Innen- und Außenwände nicht automatisch geplante Anschlüsse und jeweilige Wandfunktion
Materialwechsel entsprechend der Planung grundsätzlich möglich abgestimmtes konstruktives und bauphysikalisches Detail
Spontaner Ersatz einzelner Steine sollte geprüft werden Übereinstimmung mit Planung und Anforderungen
Unterschiedliche Materialien unter durchgehendem Putz kann kritisch sein Verhalten des Untergrunds und abgestimmter Putzaufbau

Die Tabelle zeigt vor allem einen wichtigen Unterschied: Geplante Materialvielfalt ist etwas anderes als improvisiertes Mischmauerwerk.

Welche Folgen kann ungeplantes Mischmauerwerk haben?

Die möglichen Folgen betreffen nicht nur die Rohbauphase. Ein ungeplanter Materialwechsel kann mehrere nachfolgende Arbeiten beeinflussen.

Am auffälligsten sind häufig Risse im Putz. Sie können entlang eines Materialwechsels entstehen und erst nach Fertigstellung sichtbar werden. Je nach Aufbau können außerdem zusätzliche Maßnahmen beim Untergrund oder beim Putzsystem erforderlich werden.

Darüber hinaus kann eine Materialänderung andere Eigenschaften der Wand berühren. Dazu gehören je nach Bauteil beispielsweise Wärme-, Schall- oder Brandschutz sowie die statische Funktion. Ob diese Auswirkungen tatsächlich relevant sind, lässt sich nicht allein anhand der Farbe oder Form der verwendeten Steine beurteilen.

Auch organisatorisch kann eine späte Änderung Folgen haben. Muss ein ungeplanter Materialwechsel nachträglich bewertet oder korrigiert werden, können zusätzliche Abstimmungen mit Planung, Bauleitung oder beteiligten Gewerken notwendig werden. Damit betrifft die Entscheidung möglicherweise nicht nur die technische Qualität, sondern auch Bauablauf, Termine und Kosten.

Was sollten Bauherren bei Mischmauerwerk prüfen?

Wird auf der Baustelle ein Wechsel der vorgesehenen Steinart sichtbar, sollte zunächst geklärt werden, ob dieser Materialwechsel geplant ist. Eine abweichende Farbe oder Form allein beweist noch keinen Mangel, sollte aber nachvollziehbar erklärt werden können.

Sinnvolle Prüfpunkte sind:

  • Ist die Kombination der Materialien in der Planung vorgesehen?
  • Gehören die unterschiedlichen Steine zu verschiedenen Bauteilen oder tatsächlich zu derselben Wand?
  • Gibt es für den Materialübergang ein vorgesehenes Anschlussdetail?
  • Wurde berücksichtigt, dass sich die Baustoffe unterschiedlich verformen können?
  • Wie wird der Übergang beim späteren Putzaufbau behandelt?
  • Ändern sich durch den Materialwechsel Anforderungen an Tragwirkung, Wärme-, Schall- oder Brandschutz?

Bei tragenden oder bauphysikalisch relevanten Bauteilen sollte eine Abweichung nicht eigenständig beurteilt oder durch eine improvisierte Lösung ausgeglichen werden. Hier muss die konkrete Ausführung mit der zuständigen Planung beziehungsweise Bauleitung abgestimmt werden.

Für den Neubau ist damit weniger die Forderung entscheidend, überall denselben Stein einzusetzen, sondern ein anderer Grundsatz: Unterschiedliche Baustoffe sollten dort aufeinandertreffen, wo ihr Zusammenspiel geplant wurde. Ein bewusst ausgeführter Materialwechsel kann Bestandteil eines funktionierenden Wandkonzepts sein. Ein zufälliger Wechsel innerhalb des Mauerwerks schafft dagegen unnötige Schnittstellen und erhöht das Risiko späterer Probleme.

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Diskussion der Leserschaft

1 Kommentar

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  1. Dass nicht jede Kombination verschiedener Steinarten automatisch problematisch ist, war für mich die wichtige Unterscheidung. Entscheidend scheinen also vor allem die direkten Übergänge und deren Planung zu sein. Mich würde interessieren, woran ein Bauherr in den Unterlagen erkennen kann, ob solche Anschlüsse wirklich berücksichtigt wurden.

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